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Von 3D zu BIM in der Landschaftsarchitektur

Der Übergang von der klassischen 2D-Planung hin zu durchgängigen BIM-Prozessen stellt Landschaftsarchitekturbüros vor strukturelle und technische Herausforderungen. Das Kölner Büro LILL + SPARLA hat diesen Weg über ein Jahrzehnt hinweg kontinuierlich beschritten. Bereits lange vor der Etablierung konkreter BIM-Vorgaben wurden 3D-Geometrien – wie Volumenkörper, Ausstattungselemente und das digitale Geländemodell – in Vectorworks produktiv in der Werk- und Detailplanung eingesetzt.

Diese über zehn Jahre aufgebaute 3D-Kompetenz bildete das Fundament, um im Jahr 2023 eine umfassende Freianlagenplanung vollständig als BIM-Leistung anzubieten und in den Leistungsphasen 3 (Entwurfsplanung) und 5 (Ausführungsplanung) erfolgreich ein integriertes IFC-Gesamtmodell zu realisieren. Als Referenzobjekt dient hierbei die anspruchsvolle Freiraumplanung für den neuen Standort des Bundesverwaltungsamts in Köln.

Evolution der 3D-Planung: Vier Praxisbeispiele 

Vor dem Einstieg in rein datenbasierte BIM-Projekte wurden 3D-Methoden bei LILL + SPARLA gezielt dort eingesetzt, wo die zweidimensionale Darstellung an geometrische oder kalkulatorische Grenzen stieß. 


Praxisbeispiel 1: Wohnungsbau in Kerpen (2016) – Komplexe Geländesprünge 

Bei der Planung einer rückwärtigen Stellplatzanlage sah sich das Büro mit einer extrem steilen Hangsituation konfrontiert. Der tatsächliche Böschungsfuß lag im Bereich der geplanten Heckenstrukturen, wodurch massive Geländesprünge abzufangen waren. Ursprünglich wurden L-Steine (Winkelstützelemente) über klassische 2D-Schnitte und Lagepläne dimensioniert. Aufgrund des sensiblen, erhaltenswerten Baumbestands und explodierender Kosten musste umgeplant werden.

Entwurfsplan

Der Bauherr schlug das Setzen einer Bohrpfahlwand vor. Um das logistische Großgerät für die Bohrpfähle in den Steilhang einbringen zu können, musste eine temporäre Baustraße geplant werden. Hier stieg das Büro in die 3D-Modellierung ein: Ein 3D-Körper der Rampe wurde mit dem aus Vermessungsdaten generierten digitalen Geländemodell verschnitten. Erst diese exakte Verschneidung erlaubte eine präzise Erdmassenberechnung und Machbarkeitsprüfung. Die fertige Wand wurde schlussendlich erfolgreich mit Wildem Wein begrünt. 
 

Praxisbeispiel 2: Geflüchteten-Unterkunft bei Köln (2018) – Massen- und Höhenmanagement

Bei diesem Projekt stand das präzise Management von Bodenmassen in Kombination mit Regenwasser-Versickerungsmulden im Fokus. Aufgrund einer bestehenden Rückstauthematik des städtischen Kanals mussten die Gebäude architektonisch erhöht errichtet werden, während parallel unterhalb der geplanten Mulden ein tiefer Bodenaustausch der lehmigen Schichten zwingend erforderlich war.

Erdmieten mit Volumenkalkulation

Über ein 3D-Volumen wurden die Oberboden- und Unterbodenmieten exakt verortet und visualisiert. In der Ausführungsplanung wurde zunächst der flächige, 30 cm starke Oberbodenabtrag kalkuliert und berücksichtigte die maximal zulässigen Schütthöhen der Mieten. Die softwareseitig automatisch ermittelten 3D-Volumen wurden direkt in das Leistungsverzeichnis (LV) für die Ausschreibung übernommen. Bei der finalen Abrechnung wiesen die modellbasierten Werte eine sehr hohe Genauigkeit auf. 
 

Praxisbeispiel 3: Rheinpark & Tanzbrunnen (Köln) – Starkregen- und Überflutungsnachweise 

Im Kölner Rheinpark betreut das Büro parallel vier Teilprojekte für drei unterschiedliche Bauherren ohne starr definierte Grundstücksgrenzen: Das Theater am Rhein (Neubau als Ersatz für das Musicalforum), das historische Staatenhaus (Freistellung durch Rückbau von Bestandsbauten für einen neuen Vorplatz), die Erweiterung der Rheinterrassen sowie Sanierungsmaßnahmen am Tanzbrunnen (Erneuerung der Frei-Otto- Membranschirme und des Bühnenhauses).

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Um die strikten Einleitbegrenzungen der Stadtentwässerungsbetriebe einzuhalten, war eine präzise Einzugsgebiets- und Oberflächenanalyse notwendig. Ein Vermessungsbüro lieferte via Drohnenüberflug ein sehr genaues Höhenraster (1x1 Meter mit einer Toleranz von nur 1–2 cm). Aus diesen Punkten wurde ein digitales Geländemodell generiert, um über computergestützte Fließrichtungs-Pfeilsignale die exakten Einzugsgebiete für die Straßenabläufe zu definieren. 

Zur Erbringung des geforderten Überflutungsnachweises bei Starkregen wurden aus den resultierenden Höhenlinien Volumenkörper erzeugt. So konnte exakt ermittelt werden, wie viel Retentionsvolumen sich an den topografischen Tiefpunkten staut, bevor ein ungesteuerter Überlauf erfolgt.
 

Praxisbeispiel 4: Privater Dachgarten – Detaillierte Bauteilmodellierung 
Bei dieser Premium-Dachgartenplanung lag der Fokus auf der dreidimensionalen Detaillierung von Ausstattungselementen und Schutzeinrichtung, insbesondere der Absturzsicherung. Alle Objekte wurden direkt mit spezifischen Werkzeugen als 3D-Körper gezeichnet und in Vectorworks attributiert: Geländer und Zäune als IfcRailing, Wegebeläge als IfcSlab (Bodenplatte) sowie Pflanzen als kombinierte 2D/3D-Hybridobjekte. Das Modell ermöglichte eine photorealistisch wirkende Präsentation direkt aus der Software heraus.

Dachterrasse Vogelperspektive

Das Pilotprojekt BIM: Büroquartier "Friedrich und Karl", Köln

Das Leuchtturmprojekt markiert für LILL + SPARLA den vollständigen Einstieg in die BIM-Arbeitsweise. Es handelt sich um den neuen, zentralen Standort des Bundesverwaltungsamts in Köln, bei dem drei bisherige Standorte zusammengeführt werden. Das in Holz-Hybridbauweise errichtete Büroquartier umfasst drei autarke Bauabschnitte, nutzt Geothermie sowie Saug- und Schluckbrunnen und ist mit dem DGNB-Vorzertifikat in Platin prämiert. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau; die Freianlagen sind in der Ausschreibungsphase. 

BIM-Kollaboration und Partnerschaft:

Der Einstieg ab Leistungsphase 3 erfolgte auf explizite Vorgabe des Bauherrn inklusive einer integralen BIM- Planung. Trotz anfänglicher Kalkulationsrisiken erwies sich die enge Zusammenarbeit mit erfahrenen Partner:innen als Erfolgsfaktor: Die Projektsteuerung mit der Bauwens GmbH & Co. KG (unter Leitung von Stephan Höher als Direct Development) und dem Architekturbüro HKR plus (unter Leitung von Monika Lopatka) unterstützten den Prozess maßgeblich, obwohl die Hochbauplanung in Autodesk Revit und die Freianlagenplanung in Vectorworks erfolgte. Regelmäßige Abstimmungstermine zur OpenBIM-Koordination sicherten den Workflow ab.

Modellaufbau von oben nach unten (Layer-Struktur)

Dachbegrünung

Extensive Dachbegrünung: Konzipiert als Retentionsdach mit 8,5 cm Substratvolumen und einem permanenten Anstau von 2 cm, um Niederschlag pflanzenverfügbar zu machen.

Dachgärten: Zwei intensiv begrünte Obergeschoss-Ebenen, ausgestattet mit einem im Modell berücksichtigten, automatischen Bewässerungssystem. 

Gesamtmodell

Erdgeschoss-Freianlagen: Vollständiges Geländemodell inklusive einer Fassadenbegrünung, einem umfassenden Wegeleitsystem und einer prägnanten, verbindenden Pergola-Struktur. Die Neupflanzung von Bäumen und Sträuchern wurde geometrisch exakt in ihrer realen Pflanzgröße im Modell abgebildet. Zum Schutz des Bestands wurde eine straßenbegleitende Platanenallee (Naturdenkmal auf dem Nachbargrundstück) als 3D-Referenz integriert.

Entwässerung und Untergrund: Modellierung der Schmutzwasserleitungen zum städtischen Kanal sowie des gesamten Regenwasserkanalsystems. Dieses mündet in zwei unterirdische Rigolen-Anlagen, welche platzsparend unterhalb des Mobility Hubs platziert wurden. 

Datenanreicherung (BIM-Attribute und IFC-Mapping)

Jedes Objekt im Modell wurde mit alphanumerischen Attributen versehen, um einen vollständigen IFC-Export zu gewährleisten. Die Zuweisung erfolgte teils automatisiert, teils über händische Datenpflege: 

  • Beleuchtung & Möblierung: Pollerleuchten wurden mit automatischen Geometrieabmessungen sowie manuell ergänzten elektrotechnischen Spezifikationen versehen. Sitzbänke und Fahrradbügel wurden über vordefinierte Eigenschaftensets attributiert, die im Vorfeld detailliert mit dem Bauherrn abgestimmt wurden. 
     
  • Bodenaufbau: Verwendung der IFC-Klasse IfcSlab zur exakten Definition der verschiedenen Oberflächen (Betonsteinpflaster, Sickerpflaster, Asphalt) inklusive des vollständigen Tragschichtenaufbaus. 
IFC Boden
  • Einfriedungen & Mauern: Die umlaufende Klinkermauer mit Abdeckung wurde als freistehendes Bauteil ohne Lastfall definiert. Die angrenzenden Zaunelemente erhielten spezifische Attribute bezüglich Material, Oberflächenbeschaffenheit und der vorgesehenen Rankbepflanzung. 
     
  • Vegetation: Für die über 75 neu zu pflanzenden Bäume wurden umfassende botanische und baumschultechnische Daten hinterlegt (Qualität, Stammschutz, Befestigungsart sowie das Bewässerungssystem mit einem Gießring aus Kunststoff). Bei Strauch- und Staudenflächen wurde aus Gründen der Wirtschaftlichkeit auf die Modellierung jeder Einzelpflanze verzichtet; hier wurden die Flächengeometrien mit Massendaten verknüpft und durch klassische Pflanzpläne und LV-Positionen ergänzt. 
IFC Strauch
  • Infrastruktur & Tiefbau: Die Rigolen wurden in enger Abstimmung auf Basis von Hersteller-3D-Daten modelliert. Der Regenwasserkanal wurde über ein spezialisiertes Vectorworks- Tiefbau-Plugin gezeichnet. Dadurch konnten kritische Parameter wie Höhenquoten, Gefälle, Sohlhöhen, Start- und Endkoordinaten sowie die exakten Rohrlängen direkt digital ausgelesen und exportiert werden. 

OpenBIM als bewährter Workflow

Die erfolgreiche Umsetzung des Projekts "Friedrich und Karl" beweist, dass OpenBIM in der Freiraumplanung auch schnittstellenübergreifend (Vectorworks/Revit) verlässlich funktioniert. Die gewonnenen Erfahrungen bieten dem Büro eine hohe Standardisierungssicherheit für zukünftige Projekte. Dennoch zeigt der Bericht auch methodische Grenzen auf. 

Beim Nachfolgeprojekt wurde das Ziel verfolgt, gänzlich auf eine parallele 2D-Planung zu verzichten. Dies erwies sich in der Praxis als komplex. Insbesondere bauantragsrelevante Nachweise – wie die exakte Geometrie von Feuerwehraufstellflächen oder die normativen Abmessungen von Kinderspielflächen – lassen sich im frühen Entwurfsstadium direkt in 3D nur unter erheblichem planerischen Mehraufwand abbilden.

Der bewährte Workflow bei LILL + SPARLA sieht daher auch weiterhin vor, die ersten kreativen Skizzen von Hand zu zeichnen, diese in einen präzisen 2D-Plan zu überführen und erst nach der ersten Massenerfassung sukzessive in ein intelligentes 3D- bzw. BIM-Modell zu überführen.

Logo LILL + SPARLA Landschaftsarchitekten
Über LILL + SPARLA Landschaftsarchitekten

Seit der Gründung verbindet das Kölner Büro LILL + SPARLA Landschaftsarchitekten kreative Entwurfsqualität mit technischer Präzision in allen Leistungsphasen. Ein Kernmerkmal der Arbeitsweise ist die kontinuierliche Weiterentwicklung digitaler Workflows. Seit über zehn Jahren setzt das Büro hierbei auf Vectorworks als zentrale Planungssoftware. Was mit der intelligenten Nutzung von digitalen Geländemodellen und 3D-Volumenkörpern begann, hat sich bei LILL + SPARLA zu einer tiefgreifenden BIM-Kompetenz entwickelt. Heute realisiert das Team komplexe Freianlagen als datenangereicherte IFC-Modelle und beweist, dass moderne Landschaftsarchitektur und interdisziplinäre OpenBIM-Kollaboration Hand in Hand gehen.

Jetzt den Vortrag ansehen

Erleben Sie den Praxisbericht von Heinrich Sparla noch einmal in voller Länge. Der Vortrag wurde auf der INSIDE VECTORWORKS 2026 aufgezeichnet und steht Ihnen hier als Video zur Verfügung.

Zur Aufzeichnung

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